Konzeptfinanzierung, Sektorkopplung und steigender Finanzmittelbedarf

14/08/2020 | Claudio Miozzari

Wie die Finanzierung Erneuerbarer Energien in Zukunft aussehen könnte

Erneuerbare Energien müssen sich mit dem Auslaufen der fixen Vergütungen per Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) in Deutschland am Markt behaupten. Gleichzeitig besteht grosser Bedarf nach mehr nachhaltiger Energie. Diese Ausgangslage ist so spannend wie herausfordernd.

Von Power Purchase Agreements zu Konzeptfinanzierungen

Die Fachexperten der Roundtable-Gespräche von greenmatch im Mai und Juli sind sich einig: Wir stehen vor einem Umbruch, was die Finanzierung von Erneuerbaren Energien anbelangt. Während bestehende Energieprojekte darum bemüht sind, Übergangslösungen bei der Vermarktung ihrer Produktion zu finden, wie sie beispielsweise Power Purchase Agreements (PPAs) darstellen, könnten neue Energievorhaben von Grund auf anders angelegt werden.

Symbolbild Ins Zentrum rücken könnten dabei so genannte Konzeptfinanzierungen: Dabei geht es nicht mehr nur einfach um die Finanzierung der Entwicklung oder des Baus einer Anlage, sondern um die Gestaltung des Zusammenspiels beispielsweise in Verbünden oder Gemeinwesen. Wenn die Firmen eines Industrieareals ein Konzept vorlegen, wie sie ihren Energiebedarf decken und dabei Ressourcen und Möglichkeiten besser nutzen möchten, kann dies ökonomisch interessant sein. Auch die so genannte Sektorenkopplung bietet Möglichkeiten für neue Konzeptfinanzierungen, wenn beispielsweise Überkapazitäten an Erneuerbarer Energie via neue Speichermöglichkeiten auch für Verkehr und Wärme genutzt werden können.

Komplexitätszunahme durch Konzeptfinanzierungen

Konzeptfinanzierung bedeutet aber auch, dass die Strukturen zukünftiger Energieprojekte komplexer werden, da mehr Beteiligte in diversen Rollen mit einzubeziehen sind. Die Palette an denkbaren Projekten wird vielfältiger, die Energievorhaben sind in ihrer geografischen und politischen Ausgangslage und Ausrichtung oft sehr individuell. Entsprechend schwierig sind Voraussagen, was den Eigenmittelbedarf solcher Konzeptfinanzierungen betrifft. «Wir müssen so ein Projekt auf Grund seiner Gesamtstruktur bewerten», meint beispielsweise Harald Zenke von der North Channel Bank. Das bedeutet, dass alle Stakeholder eines Projekts bewertet werden, um Risiken zu identifizieren und Sicherheiten zu definieren.

Beginnende Veränderungen bei Eigenmittelanforderungen

Dass der Umbruch im Energiemarkt erst am Anfang steht, zeigen die Rückmeldungen aus dem Publikum der Roundtable-Gespräche von greenmatch. Nur 20% der Teilnehmenden wurden bereits mit erhöhten Eigenmittelanforderungen aufgrund der nicht mehr fix definierten Energiepreise konfrontiert. 15% berichten sogar von eher gesunkenen Eigenmittelanforderungen. Auch Ansätze wie performanceabhängige Finanzierungslösungen stecken noch in den Kinderschuhen. Dies könnte sich mit der Entwicklung konzeptbasierter Finanzierungsansätze ändern, wie Mario Seidler von der Deutschen Kreditbank ausführt. «Wenn mehr Komplexität kommt und wir beispielsweise eine Sektorkopplung haben oder neue Speicherlösungen zur Verfügung stehen, dann werden solche neuen Ansätze zum Thema», bestätigt Heribert Sterr-Kölln von der gleichnamigen Beratungsagentur. Fazit: Es bleibt spannend.

Projektfinanzierungen weiterhin als zentraler Bestandteil der Energiewende

Die Entwicklung von neuen Ansätzen wie der Konzeptfinanzierung bedeutet natürlich nicht, dass damit Projektfinanzierungen insgesamt abgelöst werden können. Standardisierte Projektfinanzierungen werden für Anleger auch zukünftig interessant und insbesondere für die Realisierung von mittleren und kleinen Projekten entscheidend sein. «Über konventionelle Projektfinanzierungen wird auch zukünftig institutionelles Kapital in den Markt fliessen müssen, da dies für die Schliessung der Finanzierungslücke im Bereich Erneuerbare Energien unbedingt benötigt wird» führt greenmatch-CCO Moris Gabriel aus.

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