Faszination Fimo: Die Rechenmaschine im Hintergrund

16/10/2020 | Saskia Taag, Software Engineer

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Wer sich schonmal mit der Finanzmodellierung von erneuerbaren Energieprojekten auseinander gesetzt hat, kennt die einhergehende Komplexität, welche Excel rasch an seine Grenzen stossen lässt. Um dieser Komplexität gerecht zu werden, wurde das greenmatch-Finanzmodell gemeinsam durch Experten der Bereiche Softwareentwicklung, Projektfinanzierung und Finanzmodellierung entwickelt.

Die Herausforderungen von Finanzmodellen

Bei der Erstellung und Wartung eines Finanzmodells treten häufig folgende Herausforderungen auf:

  • Das Finanzmodell soll im selben Modell verschiedene Projektphasen, wie zum Beispiel Turnkey, Bau- und Betriebsprojekte, sowie verschiedene Technologien wie Wind, Solar, Hydro oder Biomasse abbilden.
  • Die Weiterentwicklung des Finanzmodells führt dazu, dass vergangene Projekte in veralteten Modellen gerechnet wurden und somit die Vergleichbarkeit nicht mehr gegeben ist.
  • Das Modell muss beliebig erweiterbar sein, beispielsweise um weitere Betriebskosten oder Ersatzinvestitionen zu erfassen. Bei Spreadsheets führt das oft zu einem Problem, da das Modell um Zeilen oder Spalten erweitert werden muss.
  • Verlässt die Person, die das Modell gebaut hat, das Unternehmen, geht oftmals das benötigte Know-how verloren.
  • Das Finanzmodell sollte möglichst einfach bedienbar sein, auch für Personen, die das Modell nicht selbst erstellt haben.
  • Es muss zu jeder Zeit sichergestellt sein, dass jeder Bereich des Finanzmodells korrekt berechnet wird. Dies stellt bei Spreadsheet-Lösungen eine grosse Herausforderung dar, da automatisierte Tests dort praktisch nur sehr schwierig umsetzbar sind.
  • Mit steigender Komplexität leidet oftmals die Performance des Modells. Insbesondere wenn es in Richtung Szenarien, Simulationen oder Portfolioaggregation geht, werden viele Modelle plötzlich sehr träge.

Reduktion der Komplexität eines Finanzmodells - dank objektorientiertem Ansatz

Um das Finanzmodell berechnen zu können, müssen erst die Projektdaten eingegeben werden. Dabei hat man sich bei greenmatch für ein objektorientiertes Modell entschieden, in dem alle Daten resp. Verträge in einzelnen Objekten erfasst werden. Dies stellt sicher, dass das Modell jederzeit um beliebig viele weitere Einträge erweitert werden kann, ohne die Berechnung oder die Struktur des Modells anpassen zu müssen. Ein weiterer Vorteil der objektbasierten Programmierung ist die Möglichkeit Relationen zwischen Objekten zu definieren. Beispielsweise wird jedem Objekt durch den User ein Start- und Enddatum zugewiesen, das entweder fix oder relativ zum Datum eines anderen Objektes sein kann. So können sich zum Beispiel Erlös-Objekte auf das Startdatum der angegebenen Produktionsanlagen beziehen. Dies hat den Vorteil, dass der Nutzer dann nur das Startdatum der Anlage anpassen muss und sich alle Objekte die sich auf dieses Datum beziehen automatisch angepasst werden. Mit allen Daten, die in einem Projekt eingegeben wurden, wird ein Zeitstrahl berechnet. Anhand von diesem Zeitstrahl kann jeder einzelne Wert eingeordnet werden.

Das Finanzmodell eines Projektes wird von uns in seine Einzelteile, also in viele kleine unabhängige Komponenten, zerlegt, die gemeinsam das finanzielle Abbild des Projektes darstellen. Dieser objektorientierte Ansatz ermöglicht es die Berechnungen auf die unterste, einfachste Ebene herunterzubrechen und die Komplexität dadurch erheblich zu verringern. Dabei stellt z.B. eine einzelne Betriebskostenposition ein Objekt dar, auf dessen Ebene beispielsweise die GuV, Kapitalflussrechnung und der Bilanzwert für jeden Monat berechnet werden. Dabei werden den einzelnen Berechnungen nur die Informationen des Projektes zur Verfügung gestellt, die auch benötigt werden. Durch diese Kapselung kann sich jeder Bereich auf das konzentrieren was er zu tun hat.

Komplexere Objekte werden aus mehreren einfachen Objekten zusammengesetzt. So werden die einzelnen Wartungsverträge, Verwaltungs-, Pachtkosten etc. zu den gesamten Betriebskosten zusammengeführt. Weiterführende Berechnungen können nun auf Basis der zuvor berechneten Objekten durchgeführt werden. Auch hier gilt wieder der Grundsatz nur den Teil der bereits ausgeführten Berechnungen oder Projektdaten zu verwenden, der auch benötigt wird. So werden unnötige Abhängigkeiten vermieden und weitere Eingaben oder Berechnungen können mit relativ geringer Komplexität eingefügt werden. Sind alle Berechnungen ausgeführt, wird das Finanzmodell-Objekt aus den einzelnen Unterobjekten erstellt. Auf diesem Finanzmodell-Objekt können dann übergreifende Kennzahlen wie Renditen, Payback oder Net Asset Value berechnet werden. Ausserdem beinhaltet das Finanzmodell-Objekt zu jedem Zeitpunkt für jedes Unterobjekt jeweils GuV, Kapitalfluss und Bilanz auf dem Zeitstrahl.

Integration von Ist-Zahlen in ein Finanzmodell

Befindet sich ein Projekt nicht mehr in der Evaluationsphase sondern im Asset Management fliessen Ist-Zahlen ins Modell ein. Da für jeden Bereich des Projektes sowohl ein komplexes Gesamtobjekt als auch verschiedene einfache Objekte bestehen, ist es möglich, Bereich für Bereich, zu entscheiden auf welcher Ebene die Ist-Daten in die Berechnung einfließen sollen.

Doch mit dem Finanzmodell eines einzelnen Projektes ist es noch nicht getan. Um eine Übersicht über verschiedene Projekte und das Gesamtportfolio zu erhalten, müssen die einzelnen Finanzmodelle auf einer Projektportfolio-Ebene zusammengeführt werden. Durch die objektorientierte Vorgehensweise können auch diese aggregiert und durch weitere Berechnungen ergänzt werden. Hier ist es entscheidend, dass das Finanzmodell für jedes einzelne der Projekte die gleiche Struktur hat, damit diese sauber aggregiert werden können. An dieser Stelle ist es wichtig, dass Projekte, die in alten Versionen erstellt wurden, immer auf die neueste Version migriert werden.

Verlässliche Berechnungen zu jeder Zeit

Um zu gewährleisten, dass mit den gleichen Projektdaten auch immer die gleichen Ergebnisse berechnet werden, ist das greenmatch-Finanzmodell mit tausenden automatisierten Tests abgesichert. Dabei ist von der einzelnen Berechnung bis hin zum gesamten Finanzmodell alles abgedeckt. Gleichzeitig wird bei jeder Änderung im Finanzmodell jedes bestehende Projekt in der Datenbank neu berechnet und geprüft, ob sich durch die Anpassungen eine Kennzahl verändert hat. Somit ist sichergestellt, dass keine Erweiterungen des Finanzmodells Auswirkungen auf die Projektrenditen von bestehenden Projekten haben. Ausserdem werden die Berechnungen periodisch durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer auf deren Richtigkeit geprüft. Die Kombination aus der unabhängigen Prüfung und den automatisierten Tests stellen die Richtigkeit der Berechnungen zu jedem Zeitpunkt sicher.

Zusammengefasst bietet das greenmatch-Finanzmodell gegenüber herkömmlichen Excel-Lösungen die folgenden Vorteile:

  • Die intuitive Benutzeroberfläche bietet einen hohen Komfort bei der Erfassung von Projektdaten und kann auch ohne grosse Vorkenntnisse bedient werden.
  • Durch dasselbe zugrundeliegende Finanzmodell ist die ständige Vergleichbarkeit der Projekte, über deren gesamte Laufzeit hinweg, gewährleistet.
  • Bei Änderungen am greenmatch-Finanzmodell sichern automatisierte Tests und die kontinuierlichen Reviews des Codes, dass diese zu 100% richtig funktionieren.
  • Durch unser Entwicklungsteam ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Finanzmodells sichergestellt.
  • Aufgrund der Neuberechnung aller bestehenden Projekte aus der Datenbank werden auch vergangene Projekte mit den neuesten Änderungen berechnet, sodass die Vergleichbarkeit zu jedem Zeitpunkt gewährleistet ist.
  • Durch relative Datumsbezüge werden bei Änderungen automatisch die darauf referenzierenden Objekte auf dem Zeitstrahl verschoben.
  • Der objektorientierte Ansatz ermöglicht es, die verschiedenen Phasen eines Projektes sowie verschiedene Technologien im selben Modell darzustellen
  • Die Kontinuität des Know-hows innerhalb des Entwicklungsteams ist durch Dokumentationen, Reviews des Codes und regelmässigen Austausch gewährleistet. Ausserdem muss ein Entwickler aufgrund der Kapselung und der automatisierten Tests nicht das komplette Finanzmodell präsent haben um an einzelnen Bereichen Änderungen vornehmen zu können.
  • Hohe Performance auch bei komplexen Berechnungen wie Szenarien, Sensitivitäten und Portfolio-Aggregationen

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