Windpark einmal gekauft – 20 Jahre sorglos? Mitnichten.

07/12/2016 | Alexander Kupfahl, Mitgeschäftsführer bei New Energy Scout GmbH
Tags: wind park

Ein neues Phänomen bereitet so manchem Windparkbetreiber Kopfschmerzen, insbesondere in Deutschland aber auch zunehmend in anderen Ländern. Wenn Konkurrenten neue Anlagen in der Nachbarschaft bauen, kann dies zu massiven Ertrags- und somit Wertverlusten führen. Der sogenannte „Windklau“ ist nicht verboten. Dies ist nicht wirklich neu, mittlerweile sind jedoch die letzten freien Flächen in so manchem Eignungsgebiet und sogar innerhalb von bestehenden Windparks umkämpft. Konnte man sich früher noch relativ sicher fühlen, so ist heute Wachsamkeit gefordert.

Windparks werden für eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren entwickelt, finanziert und gebaut. Während dieser Zeit steht die Welt nicht still, sondern das Umfeld und die Rahmenbedingungen ändern sich – teilweise dramatisch. Global, national, regional und kommunal. Raumordnungspläne werden fortgeschrieben, die Konkurrenz plant in der Nachbarschaft, das Militär verändert Tiefflugrouten und Radarsysteme, die Politik ändert ihre Ziele und Vorgaben und vieles mehr. Dies verlangt nach fortlaufender Analyse und Reaktion vom Betreiber.

Steigender Druck auf Bestandsparks

Insbesondere in Deutschland nimmt der Konkurrenzdruck auf Standorte immer mehr zu. Das Ausschreibungssystem ab 2017 wird zu weitreichenden Veränderungen in der Windenergiebranche führen und allgemein wird eine zukünftige Konzentration auf grosse Projektentwickler erwartet, während viele kleinere Marktteilnehmer verschwinden werden. Insgesamt jedoch wächst der Druck auf gute Standorte – und auf bestehende Windparks. Jede freie Fläche innerhalb dieser wird geprüft, ob nicht noch die eine oder andere Windenergieanlage zugebaut werden kann. Daraus ergeben sich für Windparkbetreiber Chancen und Risiken gleichermassen. Werden in unmittelbarer Nachbarschaft (oder eben sogar mittendrin) neue Anlagen eines Konkurrenten gebaut, dann kann dies massive Ertrags- und somit Wertverluste für den Bestandspark bedeuten. 5% und mehr an Produktionsverlust sind keine Seltenheit, Mindererträge, die so manchem Betreiber Kopfzerbrechen verursachen, zumal ein solches Szenario wohl kaum im business case vorgesehen war. Die jährlichen Verluste können dabei mehrere zehntausend Euro pro WEA ausmachen, ganz zu schweigen von höheren Betriebskosten aufgrund des höheren Verschleisses. Es liegt an den Betreibern, die Möglichkeiten zu erkennen, um sie selbst zu nutzen oder zumindest zu verhindern, dass jemand anderes dies zum Nachteil des eigenen Parks tut. Es entstehen sogar neue Geschäftsfelder windiger und findiger Akteure, um die letzten Reserven aus bestehenden Standorten herauszuholen, und somit die Betreiber unter Zugzwang zu stellen. So mancher Investor rieb sich schon die Augen, als er erfuhr, dass derselbe Planer, der ihm den Windpark verkauft hat, kurz darauf den Wind abgräbt.

Neue Herausforderungen – neue Chancen

Wohl dem, der rechtzeitig reagiert. Neue Standorte zu erschliessen, kann heutzutage ziemlich lange dauern, da sich z.B. die Anforderungen an den Artenschutz ständig verschärfen. Daher ist es für Betreiber vermehrt eine Option, aus ihren eigenen Windparkstandorten einen Mehrwert zu generieren – oder zumindest den Wert zu erhalten. Verdichtung, Repowering, Erweiterung; das sind einige Möglichkeiten, wie man Standorte proaktiv und wertsteigernd entwickeln kann. Windparkbetreiber sollten die Veränderungen regelmässig verfolgen und entsprechende Strategien entwickeln, um sich veränderten Bedingungen anzupassen. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Viele Betreiber vertrauen auf den vorgesehenen Betrieb über 20 Jahre und den Verbleib in der technischen und kaufmännischen Betriebsführung eines „status quo“. Ein status-quo, der oftmals keinen Bestand mehr hat und sich wertmindernd auswirkt. Entwicklungsmöglichkeiten werden nicht analysiert oder schlicht übersehen. Auch professionelle Betriebsführer sind da oftmals keine Ausnahme, denn deren Auftrag und die dort abverlangte Kompetenz sind anders gelagert. Eine regelmässige Analyse der raumplanerischen Entwicklungen und v.a. auch der strategischen Risiken und Chancen benötigt eher die Sichtweise eines unabhängigen Planers als eines klassischen technischen Betriebsführers. In der Regel ist Nichtstun jedoch in diesem Fall die schlechteste Option, da damit Chancen vergeben werden und Risiken unerkannt bleiben. Die Konkurrenz füllt oftmals diese Lücke zum Schaden des bestehenden Parks. Auch auf Investorenseite, die Windparks erwerben, wird die genaue Analyse der Entwicklungsmöglichkeiten und -risiken oftmals sträflich vernachlässigt. Die klassischen Projektprüfungen (Due Diligence) fokussieren sich auf den status-quo. In einer Welt der steten Veränderung eben nur eine Momentaufnahme.


Autor

Alexander Kupfahl, Mitgeschäftsführer bei New Energy Scout GmbH

New Energy Scout ist ein unabhängiger Dienstleister rund um die Windenergie, Solarenergie und Biogas. Als owner’s engineers entwickeln sie Windparks in mehreren Ländern Europas und beraten Investoren weltweit. Alexander Kupfahl hat 12 Jahre Windkrafterfahrung und entwickelt mit seinem Team Strategien zur Werterhaltung und Optimierung von Windparks.

www.newenergyscout.com


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