Mehr Wind, viel Sonne: Die Trends bei der deutschen EEG-Förderung im Jahr 2021

27/12/2021 | Fiona Imboden

Wie im letzten Jahr war die Energiegewinnung durch Solaranlagen (in 2021 ausgewertete Daten beziehen sich auf Freiflächen) bei allen drei Ausschreibungen überzeichnet. Auch bei der Energiegewinnung durch Wind an Land wiederholen sich die Ergebnisse aus dem Vorjahr: Während die ersten zwei Ausschreibungen unterzeichnet waren, konnte bei der letzten Ausschreibung 2021 erneut eine Überzeichnung registriert werden.

Schwierige Bedingungen für Wind Onshore

Eingereichte und bezuschlagte Mengen in Megawatt

Gesamthaft wurden in diesem Jahr 4.2 Gigawatt für Wind Onshore ausgeschrieben. Gebote wurden für insgesamt 3.7 GW eingereicht, wovon 3.3 GW bezuschlagt wurden. Die bezuschlagten 381 Projekte sehen eine durchschnittliche Energiemenge von 8.6 Megawatt vor. Besonders viele Zuschläge konnten in Schleswig-Holstein verzeichnet werden. Denn im Norden ist das Land weniger dicht besiedelt und vereinfacht daher die Einhaltung des Mindestabstands von einem Kilometer bis zur nächsten Wohnsiedlung. Allerdings erschwert nicht nur der Mindestabstand die Realisierung von Projekten, sondern auch Auflagen zum Arten- und Vogelschutz. Die zurückhaltenden Gebote zu Jahresbeginn sind zudem auch auf lange Bearbeitungszeiträume zurückzuführen, wobei sich die Gebote bereits im Mai fast mit der ausgeschriebenen Menge deckten. Mit der leichten Überzeichnung im September kann allerdings von einer positiven Tendenz gesprochen werden und es ist zu hoffen, dass sich der Trend fortsetzen wird, auch wenn 2022 einmal mehr ein grösseres Volumen ausgeschrieben wird: Es beträgt 4 GW, plus zusätzlich jene Menge, die 2021 nicht vergeben werden konnte1. Die nächsten Gebotstermine sind auf den 1. Februar, 1. Mai und 1. September 2022 angesetzt.

Solar auf Freiflächen im Höhenflug

Insgesamt wurden in diesem Jahr 1.6 GW für Solar auf Freiflächen ausgeschrieben und bezuschlagt. Die Gesamtleistung der Gebote lag mit 3.6 GW fast so hoch wie bei Wind Onshore und damit deutlich über der ausgeschriebenen Menge. Die mit einem Zuschlag versehenen 331 Projekte sehen eine durchschnittliche Energiemenge von 5 Megawatt vor.

Mit der Erhöhung des Ausschreibevolumens auf 3.6 GW ist im kommenden Jahr mit einer Angleichung der gebotenen Leistung an die ausgeschriebene zu installierende Leistung zu rechnen. Ob diese Annahme eintrifft, wird sich zu den Gebotsterminen am 1. März, 1. Juni und 1. November 2022 zeigen.

Zuschlagswerte sinken

Zuschlagswerte für PV-Freiflächen und Wind in Cent/KWh

Verglichen mit dem Vorjahr sinken die durchschnittlichen mengengewichteten Zuschlagswerte bei der Energiegewinnung durch Wind an Land wie auch bei der Photovoltaik auf Freiflächen. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert im Bereich der Windanlagen an Land lag aufgrund der deutlichen Unterzeichnung Anfang Jahr bei 6.00 ct/kWh. Mit den zunehmenden Geboten und dem wachsenden Wettbewerb fiel er im September auf 5.79 ct/kWh. Bei den Solaranlagen auf Freiflächen schwankte der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert zwischen 5.03 und 5.00 ct/kWh.

Geplanter Zubau schreitet voran

Ende November wurde bekannt, dass die neue Bundesregierung beabsichtigt, den Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 80 Prozent zu erhöhen, anstelle des bisherigen Vorhabens, den Anteil auf 65 Prozent zu steigern. Vor Bekanntgabe des gesteigerten Zubauziels galt es gemäss EEG, 2022 eine Gesamtleistung aus Windenergieanlagen an Land von 57 GW und aus Solarenergie von 63 GW zu erreichen. Bei dieser Ausgangslage wurde von den Übertragungsnetzbetreibenden ein Nettozubau von EE-Anlagen in Höhe von 8.2 GW erwartet, der erneut vorwiegend durch Solaranlagen vorangetrieben werden sollte. Mit dieser Prognose würde das Zubauziel des EEG knapp unterschritten werden.

Wie sich der Zubau unter den neuen Vorzeichen ausgestaltet, wird sich zeigen müssen. Schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie neue Vorgaben sollen laut Koalitionsvertrag die nötigen Rahmenbedingungen schaffen.

EEG-Umlage sinkt massiv

Im Oktober hat die Bundesnetzagentur bekannt gegeben, dass die Umlage zur Kostendeckung des EEG-geförderten Stroms im neuen Jahr auf 3,723 ct/kWh sinken wird. Verglichen mit dem Vorjahr sinkt die Umlage um über 40% und ist so tief wie seit zehn Jahren nicht mehr. Grund dafür sind die gestiegenen Börsenstrompreise, die letztendlich den Förderbedarf reduzieren.

Wie wird die Energiegewinnung im Bereich der Erneuerbaren 2022 voranschreiten? Das greenmatch-Team verfolgt die Entwicklungen aufmerksam und wird Sie wie gewohnt über die weiteren Prozesse und Ausschreibungsergebnisse informieren.

Quellen:

1 Vgl. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Bundesamt für Justiz: Gesetze im Internet. Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz - EEG 2021). URL: https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__28.html (Stand: 23. Dezember 2021).

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